Programm

Buchtipp: Frank Goosen - Radio Heimat

© Philipp Wente

"An lauen Sommerabenden stehe ich gern auf der Eisenbahnbrücke am Lohring in Bochum und schaue auf meine Stadt. Und dann denke ich: Boah! Schön ist das nicht!" Die Leute aus`m Pott sind ein nicht besonders höflicher, aber dafür sehr direkter Menschenschlag, was an der Sprache deutlich wird: Kinder und kleine Menschen heißen gerne "Furzknoten", weniger attraktive Frauen "Schabracken" und ebensolche Männer "Schäbbige". Auch Begrüßungen à la "Ey Jupp, du altes Arschloch!" sind durchaus freundlich, ja geradezu ehrerbietig gemeint.

Klappentext
Mit seinem sehr eigenwilligen, sehr "goosenschen" Humor, Herzblut und jener Distanz, welche nur einer haben kann, der seine Heimat innig liebt, erzählt Frank Goosen in Radio Heimat von seiner Kindheit im Pott, von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren), den Untiefen seiner Ruhrgebietsjugend mit seinen Kumpels Mücke, Pommes und Spüli, und natürlich seiner Liebe zum Fußball im Allgemeinen und dem VfL Bochum im Besonderen. Selbst die A 40 ist eine Ode wert, eine Huldigung auf die brutalste Hauptverkehrsader der schönsten deutschen Provinz. Oder die etwas betagteren Ruhrfrauen und ihre männlichen Pendants - äußerst genau, fast sezierend und doch gleichsam liebevoll nimmt Frank Goosen diese besondere Spezies unter die Lupe:
"Wenn sie nicht im Haushaltskittel daherkamen, trugen diese Frauen Tantenpullover. Unifarbene Strickpullis mit V-Ausschnitt, die sich über einen unglaublichen Atomvorbau spannten. So was wird ja heute gar nicht mehr gebaut. Die Mieder, die das stützen mussten, waren Meisterleistungen der Ingenieursplanung, höchstens noch vergleichbar mit Bauwerken wie der Fehmarn-Sund-Brücke. Diese Pullis saßen so eng, das war praktisch gehäkeltes Neopren. Man fragte sich spontan: Wie kommt die Tante da überhaupt rein? Vermutlich wie der Christbaum ins Netz kommt: Im Altersheim stand auf dem Gang eine durchgeschnittene Tonne, da kam vorne der Pullover drauf, und hinten schoben zwei Zivis.
Die alten Männer hörte man oft schon, bevor man sie sah. Ihnen ging ein abgehacktes Donnern voraus, und da wusste man gleich, da kommt wieder einer um die Ecke, der hat dreißig Jahre lang kaum das Sonnenlicht gesehen und hustet jetzt seine schleimigen Lungenreste auf den Bürgersteig hinaus. Und manchmal sah das, was da rauskam, aus, als würde es noch leben. Hackendes Lungendonnern - der Soundtrack einer Kindheit im Ruhrgebiet."

Der Autor
Frank Goosen, Jahrgang 1966, hat sich mit seinen Romanen "Liegen lernen" und "Pokorny lacht" einen Namen gemacht. Frank Goosen lebt mit seiner Frau und zwei jungen Nachwuchshoffnungen des VfL in Bochum. Zuletzt im Eichborn Verlag erschienen: Mein Ich und sein Leben (2004), Pink Moon (2005) und die Bestseller So viel Zeit (2007) und Weil Samstag ist (2008).

Infos 
Frank Goosen
Radio Heimat
168 Seiten 
14.95 Euro
ISBN:9783821860725

Soundcheck

Die Platzierungen der Woche aus unserer Sendung Charts für Sie zum Nachlesen.

Aktuelle Playlist

15:30:16
MARK RONSON
VALERIE
15:25:44
ADELE
SOMEONE LIKE YOU
15:23:02
GENESIS
I CAN'T DANCE
Wetter

Die ausführliche Wettervorhersage für Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und NRW.

Mitarbeiter

Wer steckt hinter
Radio Bonn/Rhein-Sieg?